Tatsächlich bin ich so jemand, der recht früh einen Hang zum "Dunklen" - bewusst unspezifisch formuliert - hatte. Das ist einfach irgendwie meine Default-Einstellung.
Ich bin Jahrgang 1985, in meiner Kindheit war also noch He-Man aktuell. Wen fand ich aber viiiel cooler als den langweiligen Helden? Skeletor.
Dazu habe ich mit etwa 6, 7 angefangen, regelmäßig die alten Tapes von meinen Eltern zu hören, darunter Black Sabbath, AC/DC, Saxon, Judas Priest usw. Damit war meine Neigung zu härterer Gitarrenmusik erst mal gelegt. Dazu kamen dann z. B. Musicals wie Phantom der Oper (die Version mit Anna Maria Kaufmann und Peter Hofmann <3) und Tanz der Vampire. Auch sonst habe ich alles verschlungen, was mit Vampiren zu tun hatte.
Im Teenageralter hatte ich das kurzzeitige Bedürfnis, mich mehr anpassen zu wollen, was aber nicht von langer Dauer war, da ich einfach immer schon ein Außenseiter war, wofür die Gründe sehr unterschiedlich sind und auf die ich hier nicht weiter im Detail eingehe an dieser Stelle. Kurze Ausflüge in Richtung Rap haben mich nicht davon abgehalten, meinem sonstigen Musikgeschmack noch mehr nachzugehen. Marilyn Manson, Project Pitchfork, Highland (mit "Bella Stella": Im Video kamen Vampire vor), Deine Lakaien, Wolfsheim usw. usf. und schließlich durch einen Schulkameraden dann ein Einstieg in extremere Metalgenres (Death Metal, Black Metal), denen ich heute noch sehr verhaftet bin und in denen ich auch selbst lange Musik gemacht habe.
Mein Szeneeinstieg in die Gothic-Richtung fiel dementsprechend in die Zeit, war bei mir aber eigentlich stets gemischt mit meiner Metalaffinität. Nach vielen Jahren finde ich jetzt tatsächlich wieder ein Stück weit in diese Ecke zurück, wobei mir jegliches Szenegedöns mittlerweile eher unwichtig geworden ist.
Trotzdem habe ich stets mein "schwarzes Herz" behalten. Deswegen bin ich ja auch hier.
Exposure keeps me present. Presence keeps me moving.
Gut das du nachfragst, wie der Zufall so will, habe ich schon oft darüber nachgedacht.
Im Oktober 1994 erblickte ich das Licht der Welt, damit sollte ich anfangen, denn das wird noch Bewandtnis haben.
Schon als kleines Kind habe ich Vampire, Hexen, Zauberer, Geister, Drachen, Werwölfe, Sirenen und andere „düstere“ Fabelwesen geliebt. Ebenso Friedhöfe, alte Gemäuer, Burgen, Schlösser, Ruinen, den Wald und andere Orte, die andere als „düster, bedrückend oder unheimlich“ empfinden würden.
Auch bei mir war die Buchreihe „Der kleine Vampir“, neben den klassischen Märchen die Gute-Nacht-Geschichte meiner Kindheit.
Zu Grundschulzeiten kam mein Interesse an Mythologie, Religionen (nicht dogmatisch, sondern mystisch), Okkultismus und Volksglauben (den man spöttisch „Aberglauben“ nennt) dazu, und dann war Plötzlich Harry Potter, eine Buch-(und Film-) Reihe über Zauberer in einem gotischen Gemäuer, die Fantasy mit dezenten Elementen der Gothic Literatur verknüpft, und bei der die Antagonisten aussehen, als wären sie direkt vom WGT, DER TREND, dem konnte auch ich mich natürlich nicht entziehen.
Ich lernte im Unterricht Goethes herrlich melancholische und bisweilen „gruselige“ Lyrik kennen (Der Erlkönig und der Totentanz waren beides Gedichte, die ich damals zu lieben lernte).
Und seit der Grundschulzeit war ich eigentlich ein echter Romantiker (im Sinne der Epoche).
Nun kommen wir zur Bewandtnis meines Geburtsdatums: Der Oktober und die 90er. In den 90ern und frühen 2000er war Halloween in Deutschland auf dem Höhepunkt, auf Super RTL kamen den ganzen Oktober durch Halloween-Specials, Familien dekorierten ihre Häuser, man konnte sich kaum entziehen, und so wurde mein Geburtstag jedes Jahr eine Halloween-Party, und wir gingen jedes Jahr zur stimmungsvoll dekorierten Halloween Season in den Europa-Park (leider ist es inzwischen viel dezenter, damals war es noch eine schöne Mischung aus Gothic-Horror, Midcentury Halloween Camp und viel Herbstdeko, inzwischen dominiert Letzteres), so wurde Halloween natürlich zu einem absoluten Highlight für mich, und zwar den ganzen Herbst.
Doch die Zeit trug noch weitere Mitschuld auf popkultureller Ebene:
In meiner Kindheit und Jugend gab es im Fernsehen und Kino Serien und Filme wie der kleine Vampir, Mona der Vampir, die Schule der kleinen Vampire, der Wunschpunsch, Taran und der Zauberkessel, Fluch der Karibik, Die Geistervilla, Im Jenseits sind noch Zimmer frei (Tower of Terror) etc. und Serien und Filme, mit alternativen Charakteren (Ingrid aus Filmore, Sam aus Danny Phantom, Raven aus Teen Titans usw.), die oft meine Lieblingscharaktere waren, wie auch die Disney-Bösewichte.
Doch ein, scheinbar in diesem Kontext „unbedeutendes“ Werk muss ich hier besonders betonen: Rudolf mit der Roten Nase, denn dort hat Nina Hagen die Antagonistin „Stormella“ gesprochen und gesungen. Von da an war ich ein großer Fan von ihr, auch wenn ich ihre restliche Musik erst Jahre später kennengelernt habe, als Schauspielerin, wie bei 7 Zwerge habe ich sie weiter bewundert und jeden Dezember lief die Rudolf Soundtrack-Kassette meiner Großeltern rauf und runter, oft mit gefühlt tausendfacher Wiederholung von Nina Hagens „Ich hasse Santa Claus“.
Ansonsten habe ich erst ab der 3. Klasse aktiv Musik gehört, doch was damals auf SWR 3 im Radio lief habe ich natürlich mitbekommen, und ein paar Lieder sind mir besonders geblieben: Viele Klassiker aus dem Rock, Synth-Pop, Wave Bereich (Maid of Orleans und ganz viel Depeche Mode), der Pop-Punk und -Rock der späten 90er und frühen 2000er und dann, als ich in der dritte Klasse endlich angefangen habe, aktiv Musik zu hören, habe ich einen Toggo Sampler geschenkt bekommen (ja Toggo, das „Kinderprogramm“ von Super RTL) auf dem Oomph! Und L’Âme Imortelles Hit „Brennende Liebe“, wie auch mein damaliges Lieblingslied, „Nemo“ von Nightwish drauf war.
Ein paar Jahre vergingen, und im von sämtlicher Subkultur beinahe gänzlich abgeschirmten Kaff Konstanz hatte ich ohne Internet natürlich nicht wirklich Kontakt zu den Subkulturen oder alternativer Musik, außer dem, was auf MTV, VIVA oder im Radio lief (Eisblume, Kerli, und die tollen Musikvideos der Beiden sind mir klar hängen geblieben),
Mein Vater, Metalhead und Rockfan, hat dann langsam seine Musik nicht mehr für sich gehört, sondern beim Essen und co. Laufen lassen, und so kam ich zu Rock, Metal und co., und als ich dann seine Nina Hagen und Ideal CDs fand und später das Internet ging alles schlag auf Schlag, über die Rock- und Metalszene in die Schwarze Szene und dadurch in die Gothic Szene.
Ich entwickelte auch früh meine Vorliebe für Horror; besonders Gothic- und Clownshorror. Dank Phantom Manor im Disneyland Paris kam ich zu Vincent Price, da ich die Stimme aus Thriller kannte und recherchieren musste, wer das war, und die Vorliebe für Gothic Horror würde von den Anspielungen in den Kinder- und Jugendserien, Geisterbahnen und eben besonders Phantom Manor, dem Geisterschloss im Europa-Park und co. geprägt.
"I wanna do it like Pete Burns, I want your mind to twist and turn"
Mr. Strange
Interessanterweise ist mein Werdegang gar nicht so unähnlich dem, den Immersion in seinem Eingangspost beschreibt, daher beschränke ich mich mal auf den Aspekt der sich zumindest beim lesen seines Postes nicht mit meinem Weg deckte und lasse andere Aspekte wie die musikalische Entwicklung oder die Beeinflussung durch Filme und Serien mal außen vor. Zu diesen Punkten hatte ich schon mal an anderer Stelle etwas geschrieben und würde dies hier nur widerholen wenn es explizit gewünscht wird.
Was bei mir als für mich wichtiger Punkt hinzu kommt wären Kindheitserfahrungen mit Friedhöfen und einer damit verbundenen frühen Konfrontation mit der Vergänglichkeit.
Wenn ich als Kind meine Großeltern besuchen wollte, führte der Weg der nicht direkt an der Hauptstraße entlang ging über den städtischen Friedhof. Diesen fand ich als Kind immer sehr anziehend. Besonders der kleine Abschnitt entlang der Friedhofsmauer, bei dem besonders alte Grabsteine aufgestellt waren übte für mich eine Faszination aus. Verwitterte, teils nicht mehr zu entziffernde Inschriften, oft nicht einmal mehr ein Name, sondern nur eine schwach erkennbare Zahl. Alles was von einem einst gelebten Leben übrig blieb und heute in völlige Vergessenheit geraten ist. Natürlich konnte ich als Kind noch nicht in Gänze erfassen was mich da bewegte, aber mich berührte der Gedanke dass gemessen am Zustand des Grabsteines inzwischen niemand mehr zu existieren schien, der sich noch für den Besitzer des Steines (den Verstorbenen) interessierte oder ihn auch nur kannte.
Und auch wenn sich vieles im Lauf der Jahre bei mir geändert hat, so ist der Besuch eines schönen Friedhofes für mich immer noch ein Erlebnis.
"Sowas kann doch nur Leuten einfallen, die in Assoziationsspielchen neben Hund, Katze und Maus auf "Hmm.... Schwingschleifer!" kommen, oder?" - Barlow