Gendern

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Immersion
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Re: Gendern

Beitrag von Immersion »

@Graphiel
Ok, dieser spezielle Aspekt könnte auch zumindest extrem selten - oder einzigartig - sein.
Bei der Sektorenabdeckung bleibe ich bei der Einzigartigkeit. Da hast Du noch nichts angeführt, was mich überzeugt.
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Graphiel
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Re: Gendern

Beitrag von Graphiel »

Fair enough – bei dem moralischen Aspekt sind wir uns dann zumindest näher.

Bei der Sektorenabdeckung würde ich unterscheiden zwischen linguistischer Struktur und gesellschaftlicher Reichweite. Dass sich eine Norm heute sektorübergreifend durchsetzt, halte ich weniger für ein sprachliches Novum als für eine Folge veränderter Kommunikations- und Medienstrukturen, so wie du es selbst schon angemerkt hattest.

Früher existierten diese Sektoren deutlich stärker voneinander getrennt, sowohl kommunikativ als auch institutionell. Entsprechend konnten sich sprachliche Normen auch nur fragmentiert verbreiten. Heute sind Wissenschaft, Medien, Verwaltung und Bildung wesentlich enger verschränkt – was eine synchronere Ausbreitung begünstigt, ohne dass der zugrunde liegende Mechanismus neu sein muss.

In diesem Sinne würde ich eher von einer Skalierung und Beschleunigung bekannter Prozesse sprechen als von einem genuin neuen linguistischen Phänomen.
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Immersion
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Re: Gendern

Beitrag von Immersion »

Graphiel hat geschrieben: Dienstag 3. Februar 2026, 07:34 Früher existierten diese Sektoren deutlich stärker voneinander getrennt, sowohl kommunikativ als auch institutionell. Entsprechend konnten sich sprachliche Normen auch nur fragmentiert verbreiten. Heute sind Wissenschaft, Medien, Verwaltung und Bildung wesentlich enger verschränkt – was eine synchronere Ausbreitung begünstigt, ohne dass der zugrunde liegende Mechanismus neu sein muss.

In diesem Sinne würde ich eher von einer Skalierung und Beschleunigung bekannter Prozesse sprechen als von einem genuin neuen linguistischen Phänomen.
Ich denke schon.
Selbst dann, wenn Deine Erklärung der einzige Faktor wäre - aber auch da bin ich anderer Ansicht.
Das mit der Vernetzung - oder Verflechtung - hat seit z.B. der französischen Revolution fraglos zugenommen. Da war die Abgrenzung - oder Isolation - der Sektoren noch stärker, aber im 20. Jh waren dann allgemeine Sprachstandards Usus. Das ist letztlich das, was Du beschreibst.
Aber hier haben wir es eben nicht mit einer zentralen Änderung des Standards zu tun, die synchron in allen Sektoren wirkt - sondern mit einer synchronen Entwicklung in mehreren - aber nicht allen Sektoren. Und nicht wirklich zentral gesteuert (was sich nebenbei auch im Wildwuchs äußert - aber die Idee mit ihren Erscheinungsformen taucht da überall auf.
Nahezu vollständig in der öffentlichen Kommunikation (abzüglich etwas Rauschen) - und praktisch überhaupt nicht in der Alltagssprache (zuzüglich etwas Rauschen).

DAS ist neu.
Eine Entwicklung in EINEM Sektor? Alter Hut
Eine Entwicklung in allen Sektoren? Zentral gesteuert auch nichts neues.
Eine Entwicklung synchron in mehreren - und dabei praktisch in der gesamten öffentlichen, NICHT aber der Alltagssprache?

Fragt sich noch, was gewesen wäre, wenn der Duden neutral und deskriptiv geblieben wäre. Mein Bauchgefühl sagt gerade, dass dieses Manöver die zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgte Verbreitung (ob nun erfolgreich und akzeptiert oder nicht) lediglich der nachträglichen Legitimierung diente.
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Graphiel
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Re: Gendern

Beitrag von Graphiel »

@Immersion

Was du beschreibst – synchrone, sektorübergreifende, nicht zentral gesteuerte Verbreitung bei gleichzeitiger Trennung von öffentlicher Kommunikation und Alltagssprache – halte ich für eine durchaus zutreffende Beschreibung der aktuellen Situation.

Mein Einwand richtet sich nicht gegen diese Beschreibung, sondern dagegen, sie primär als linguistische Einzigartigkeit zu lesen. Für mich erklärt sich dieses Muster vor allem aus moderner Medien- und Institutionsverflechtung sowie aus einer moralisch legitimierten Normdurchsetzung, weniger aus einem strukturell neuen Sprachwandelmechanismus. Insofern würde ich sagen: Außergewöhnliche Konstellation, ja – eine ganz neue Art von Sprachentwicklung im engeren Sinne eher nein. Hier scheinen wir schlicht unterschiedliche Gewichtungen vorzunehmen.
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Immersion
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Re: Gendern

Beitrag von Immersion »

Graphiel hat geschrieben: Dienstag 3. Februar 2026, 16:32 @Immersion

Was du beschreibst – synchrone, sektorübergreifende, nicht zentral gesteuerte Verbreitung bei gleichzeitiger Trennung von öffentlicher Kommunikation und Alltagssprache – halte ich für eine durchaus zutreffende Beschreibung der aktuellen Situation.

Mein Einwand richtet sich nicht gegen diese Beschreibung, sondern dagegen, sie primär als linguistische Einzigartigkeit zu lesen. Für mich erklärt sich dieses Muster vor allem aus moderner Medien- und Institutionsverflechtung sowie aus einer moralisch legitimierten Normdurchsetzung, weniger aus einem strukturell neuen Sprachwandelmechanismus. Insofern würde ich sagen: Außergewöhnliche Konstellation, ja – eine ganz neue Art von Sprachentwicklung im engeren Sinne eher nein. Hier scheinen wir schlicht unterschiedliche Gewichtungen vorzunehmen.
Wird langsam ;)
Was jetzt noch fehlt, ist nicht nur die Symptomatik - also diese spezielle Konstellation - sondern die Natur der ihr zugrunde liegenden Verbreitungsmechanik.

Wo kommt es her?
Auf wechem Weg verbreitet es sich?
Warum taucht es dort auf?

Bisher habe ich da drei typische Mechanismen auf dem Schirm:
Zentral gesteuert (Top-Down)
Bottom-up
Aus einem Sektor heraus in einen oder mehrere andere

Das ähnelt jetzt dem letzten - aber bislang war das bei diesem Muster eher auf einzelne Begriffe beschränkt und eher praktischer Natur.
Das hier ist sprachsystematisch - und das ist für diesen dritten Mechanismus völlig untypisch
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Graphiel
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Re: Gendern

Beitrag von Graphiel »

Immersion hat geschrieben: Dienstag 3. Februar 2026, 17:31 Bisher habe ich da drei typische Mechanismen auf dem Schirm:
Zentral gesteuert (Top-Down)
Bottom-up
Aus einem Sektor heraus in einen oder mehrere andere

Das ähnelt jetzt dem letzten - aber bislang war das bei diesem Muster eher auf einzelne Begriffe beschränkt und eher praktischer Natur.
Das hier ist sprachsystematisch - und das ist für diesen dritten Mechanismus völlig untypisch
Ich glaube jedoch, wir nähern uns hier langsam einem Punkt abnehmenden Erkenntnisgewinns an. Man kann die Konstellation sicher noch weiter aufdröseln und immer neue Einflussfaktoren identifizieren – aber ab einem gewissen Detaillierungsgrad wird „Einzigartigkeit“ vor allem eine Frage der Definitionsschärfe.

Für mich reicht ehrlicherweise die Erklärung über bekannte Mechanismen (Normsetzung, institutionelle Nachahmung, moralische Legitimation, mediale Verstärkung) aus, um das Phänomen hinreichend zu verstehen. Meine Gewichtung liegt hierbei (das hatte ich ja schon erläutert) auf der moralischen Aufladung, die unter der beschriebenen Konstellation psychologisch bekannte Mechanismen wie das Schuld-Gefühl triggert. Also dem Gefühl sich schuldig im Sinne der Geschlechterungerechtigkeit zu machen, indem bestimmte, "progressive" Konzepte nicht reproduziert sondern hinterfragt, wenn nicht sogar (argumentativ begründet!) abgelehnt werden.
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Lylia
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Re: Gendern

Beitrag von Lylia »

Phönix75 hat geschrieben: Sonntag 1. Februar 2026, 15:48 Ich kann mich noch erinnern, dass ich noch vor wenigen Jahren dafür fast gesteinigt wurde, wenn ich sowas hier geschrieben hatte. Merkwürdig, was für eine Wende so manche im Kopf vollziehen, wenn manche Sachen nicht mehr Zeitgeist oder im Trend sind. Ich glaube, @Archy und einige andere ältere User hier können das bestätigen. Da war ich öfter mal der Böse. Warum nur, habe ich nicht diese Fähnchen-im-Wind-Mentalität und passe meine Meinung an, wie gerade der Zeitgeist ist? ;)

Im Übrigen wurde bis vor ca. 2,3 Jahren (etwa das Ende der Corona-Zeit) ein Bohei im Randgruppen in diesem Land gemacht und ins Rampenlicht gerückt, die das selbst oft garnicht wollten. Gerade der ganze Geschlechterquatsch wurde doch bis zum Erbrechen in den Medien und der Politik tagein und tagaus geradezu gebetsmühlenartig runtergeleiert und dass sich doch bitte jeder einzunorden hat. Komisch, das kam hauptsächlich von den Grünen, denen ich massiv unterstelle, der intoleranteste Haufen zu sein, den es in D gibt. Gleiches kann man über die Flüchtlingspolitik sagen. Abweichende Meinungen zum Tenor wurden da abgewürgt und einem gleich mit der Keule der Scheitel gezogen und man wurde in Ecken verortet, mit denen man garnix zu tun hatte. Tja, so ändert sich das Meinungsbild in D... je nachdem was halt gerade Mainstream ist. Vorallem den Medien sei Dank. Da brauchte man sich seine Meinung garnicht BILDen, denn da waren alle, fast durch die Bank weg, gleich.
Du sprichst mir damit sowas von aus der Seele, es war unter anderem ein Grund dafür warum ich lange nicht mehr hier gewesen bin, das ging mir so dermaaßen auf dem Senkel und war nicht mehr zu ertragen. Werden abweichende Meinungen nicht mehr respektiert oder bewusst in Ecken gestellt, wo sie nicht hingehören und damit der Meinungsbesitzer abgewertet, so versiegt das Bedürfnis und die Bereitschaft sich auszutauschen gravierend. Flüchtlinge, Gendern, Corona aber auch so einige andere Themen waren nur noch Sprengstoff und Diskusionen verstummten, das konnte man überall feststellen.

In einer Gesellschaft wo man kein ehrliches Wort mehr sagen kann, ohne angefeindet zu werden ist es einfach besser die Tür zuzuknallen sich mit Lebensmitteln einzudecken und zu denken " Leckt mich doch alle am Arsch".

Ich gendere z.b auch nicht, weil ich aus einer Zeit komme, wo man noch normal geredet hat und ein Damen und Herren reichte schriftlich aus, da es alle Geschlechter die es biologisch gibt, beinhaltete. Kleine nicht-binäre Gruppen wo das nicht eindeutig ist, im Vergleich zur Weltbevölkerung, sollten nicht die Hoheit darüber haben dürfen wie sich die Mehrheit der Menschen auszudrücken haben.

Ich habe das Gendern nur einmal genutzt einer Freundin zu liebe, der das wichtig war, aber ich fand es total befremdlich, schwer zu lesen und es macht die Sprache nicht gerade schöner, es vielleicht mal zu nutzen ist ja okay aber niemand hat das Recht mich dazu zwingen zu dürfen oder es als selbstverständlich zu erwarten.

Da die verbale/schriftliche Ausdrucksweise auch ein Teil/Stilmittel der eigenen Persönlichkeit darstellt, hat mir da niemand reinzureden, ich tue dies bei anderen Leuten auch nicht.