Wehrdienst

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Uwi1976
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Wehrdienst

Beitrag von Uwi1976 »

„Rekrut! Sie wollen aus Gewissensgründen den Dienst an der Waffe verweigern? Der Feind steht vor ihnen, das Gewehr im Anschlag. Er droht ihnen, ihre ganze Familie zu erschießen! WAS TUN SIE?!!!“

Tja, Herr Hauptmann… Die heroischen Zeiten sind längst vorbei. Der Feind steht nicht mehr vor mir, er sitzt hunderte Kilometer entfernt in einem Bunker und schickt Drohnen, Raketen und wenn das nicht ausreicht, Massenvernichtungswaffen.

Worum geht es beim Wehrdienst wirklich?
Es geht darum, jungen Männern die Würde zu nehmen, sie zu erniedrigen, sie zu namenlosen Kanonenfutter zu machen. Mit militärischen Drillmethoden des vorletzten Jahrhunderts sollen sie dazu erzogen werden, für eine höchst ungewisse Zukunft zu kämpfen. Sie sollen ihr „Vaterland“ verteidigen, ein von Korruption durchseuchtes allmählich zerfallendes Scheindemokratie-Gebilde und sie sollen notfalls bereitwillig ihr Leben für dieses „Vaterland“ opfern.
Im Extremfall in einem Krieg, den am Ende niemand gewinnt.

Das junge Männer diesem grotesken Konzept nichts abgewinnen können, wundert mich nicht.

Ich habe Zivildienst gemacht und ich würde es immer wieder tun.
Nicht für „Gott“ oder „Vaterland“.
Sondern für die Menschen.

Hinzugefügt nach 33 Minuten 24 Sekunden:
Ich weiß nicht, wie es heutzutage ist, meine Zivildienstzeit war Ende der 90er Jahre.
Damals wurden Zivildiener verächtlich als Feiglinge, Drückeberger und Weicheier angesehen.
Teilweise sogar von den Bewohnern des Altenheims, in dem ich 14 Monate lang für einen Hungerlohn
als Hilfskraft arbeiten musste.
Pfft.
Ein echter Kerl geht zum Bund! Dort lernt man Heldentaten, wie rauchen und saufen und kann kostenlos nen LKW-Führerschein machen.
Zivildiener hingegen müssen alten Leuten den Po abwischen, haha.

Ähm. Nein, musste ich nie - dafür hatte das Seniorenheim die vermutlich genau so mies bezahlten kroatischen Pflegehelferinnen.
Ich habe Mahlzeiten ausgeteilt, ich hatte Küchendienst (eine riesige Spülmaschine bedienen, Lebensmittellieferungen in die Kühlräume einlagern),
ich habe Stundenlang an einer Müllpresse gearbeitet, im Winter Schnee geschaufelt und gestreut, ich hab den Dachboden aufgeräumt, Zimmer von
Verstorbenen renoviert und für die nächsten Bewohner hergerichtet, ich hab Besorgungen erledigt, die Bewohner zum Arzt begleitet oder "ausgebüxte"
leicht demente Bewohner, die irgendwo in der Kleinstadt herumgeirrt sind wieder "eingefangen" ...
Wir waren 3 (zeitweise 4) Zivildiener und direkt den Hausmeistern unterstellt, die uns viele wertvolle handwerkliche Fähigkeiten beigebracht haben.

Und wenn es mal nichts zu tun gab, haben wir im Zivi-Quartier so manche Party gefeiert oder mit den Azubinen geflirtet ...

Manche Bewohner waren sehr nett und dankbar, manche waren wie gesagt dement ("Sind Sie von der Wehrmacht abkommandiert??")
und einige waren natürlich auch einfach Arschlöcher ("Unter Adolf hätte es SOWAS nicht gegeben!")

Dito beim Personal, einige wenige haben uns wie Sklaven behandelt, aber die meisten waren froh, Zivildiener im Haus zu haben.

Natürlich gab es auch Schattenseiten: Ich war faktisch pleite, weil der lächerliche Sold meine monatlichen Kosten nicht einmal ansatzweise gedeckt hat.
Außerdem wurde das Altenheim von den 7-Tags-Adventisten geführt - ich hab diese religiöse Vereinigung immer als eine Art Untergruppe der Zeugen Jehovas
betrachtet. Als Atheist und Agnostiker war das für mich zuweilen bizarr und manchmal auch schwierig.
Besonders skurril war der Hausinterne Bibelunterricht, der als Ersatz zum zur Zivildienstschule erfolgen sollte. Jeder Zivi musste eine gewisse Zeit (waren es
2 Wochen oder 4 Wochen am Stück, bin mir nicht sicher) eine zentrale Zivildienstschule besuchen und stand folglich in dieser Zeit nicht als kostenlose Arbeitskraft
zur Verfügung. Die Einrichtung konnte ersatzweise einen eigenen Unterricht anbieten - damit war aber GANZ SICHER keine religiöse Indoktrination gemeint.
Ich hab mir die Show also eine halbe Stunde angesehen und bin dann zum Heimleiter gegangen und habe ihn vor die Wahl gestellt, entweder die Teilnahmebescheinigung
für das Kreiswehrersatzamt zu unterschreiben oder ich gehe zu dieser Schule (die am Arsch der Welt lag). Außerdem würde ich mal beim Dachverband nachfragen, ob
diese Form von Ersatzunterricht überhaupt zulässig ist... er hat unterschrieben :D
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Black Alice
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Re: Wehrdienst

Beitrag von Black Alice »

Ich habe bedingt durch Geburt, nie Wehrdienst oder sonstige Ersatzdienste machen müssen. Auch in meiner Familie hat das keiner gemacht, aber das ist eine andere Geschichte.

Aber wenn ich mal so zurückblicke... Immer wenn es im Ausland einen Beef gab, mussten Touristen mit den Rettungsaktionen anderer Staaten mitfliegen um weg zu kommen. Deutschland war immer unfähig und unwillens selber seine Touristen raus zu holen. Immer wenn Katastrophen sind wird viel versprochen, aber wenig gehalten und man steht allein da. Für jeden Scheiß für den man einen Rechtsanspruch hat muss man betteln und sich blank machen, als ob es eine Gefälligkeit des Gutsherrn wäre. Wenn Steuern erhöht werden trifft es immer die "kleinen Leute", nie die Reichen. Und so kann man ewig weitere Beispiele nennen. Man wird von diesem Staat ständig allein gelassen. Warum, zum Henker, sollte ich bei diesem Staatsversagen als junger Mensch diesem Staat dienen? Ich würde es keinem übel nehmen der verweigert.
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Phönix75
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Re: Wehrdienst

Beitrag von Phönix75 »

Black Alice hat geschrieben: Sonntag 8. März 2026, 15:45 Ich habe bedingt durch Geburt, nie Wehrdienst oder sonstige Ersatzdienste machen müssen. Auch in meiner Familie hat das keiner gemacht, aber das ist eine andere Geschichte.

Warum auch? Schließlich mussten Frauen sowas nicht machen, außer sie waren ganz vernarrte Waffenheldinnen oder sub-mässige Befehlsempfängerinnen. Wer auf sowas steht, von mir aus.

Ich habe auch verweigert und habe im Gegensatz zu @Uwi1976 , den Alten den Hintern geputzt, Leichenwäsche gemacht und beim Essen unterstützt. War eine Erfahrung wert, würde es aber nicht unbedingt beruflich machen wollen. Allerdings gab es bei mir keine Zivi-Schule. Was etwas genervt hat, war der Schichtdienst und Wochenendarbeit. Bei mir waren sie größtenteils dankbar, dass sie mies bezahlte Hilfe bei der Pflege hatten. Einige demente Bewohner sind auch ab und zu ausgebüxt. Aber die wurden häufig von der Polizei zurückgebracht.
Alles in allem war es aber eine lehrreiche Zeit.
Nichts ist so, wie es scheint.
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Immersion
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Re: Wehrdienst

Beitrag von Immersion »

Ich war zwei Mal bei dem Verein.
Ich habe viele ehemalige Zeitsoldaten unter Bekannten und Kollegen.
Kenne eine Präzisionsschützin, die im Kosovo war.
Eine ehemalige Lagerkommandeurin aus Mali.
Einen Kosovo-Veteranen, der an dem, was er im Einsatz erlebt hat, zerbrochen ist.

Meine Perspektive ist ein klein wenig anders - und ganz ehrlich gesagt, @Uwi1976:
Was Du da schreibst, sind die Worte eines Elefanten, der über das Fliegen urteilt.
Ich kann nachvollziehen, dass es Dir vollkommen fremd ist.
Aber ich habe selten so einen Schwachsinn gelesen.
Black Alice hat geschrieben: Sonntag 8. März 2026, 15:45 Man wird von diesem Staat ständig allein gelassen. Warum, zum Henker, sollte ich bei diesem Staatsversagen als junger Mensch diesem Staat dienen? Ich würde es keinem übel nehmen der verweigert.
Damit hast Du dann schon einen der Gründe, wie dieses „Staatsversagen“ zustande kommt.
Du bist Teil dieses Staates.
Ich habe mich lange und intensiv damit beschäftigt, wo es besser funktioniert -und vor allem warum.
Das würde Dir nicht besser gefallen.
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Uwi1976
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Re: Wehrdienst

Beitrag von Uwi1976 »

Phönix75 hat geschrieben: Sonntag 8. März 2026, 18:23 Was etwas genervt hat, war der Schichtdienst und Wochenendarbeit.
Wochenendarbeit hatten wir auch, weil für die 7-Tags-Adventisten der Samstag der freie Tag / Feiertag war, an dem quasi nichts gearbeitet wurde und natürlich
musste das dann alles am Sonntag nachgeholt werden, denn dieser galt für den Verein als normaler Werktag.
Lehrreich war die Zeit auf jeden Fall!

Hinzugefügt nach 1 Minute 19 Sekunden:
Immersion hat geschrieben: Montag 9. März 2026, 18:06 Aber ich habe selten so einen Schwachsinn gelesen.
Du kannst gerne anderer Meinung sein, aber ich lasse mich nicht von Dir beleidigen!
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Immersion
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Re: Wehrdienst

Beitrag von Immersion »

Uwi1976 hat geschrieben: Montag 9. März 2026, 18:19 Du kannst gerne anderer Meinung sein, aber ich lasse mich nicht von Dir beleidigen!
Wie Du es auffasst, ist Deine Sache. Dir muss aber auch klar sein, wie das, was Du geschrieben hast, auf jemanden wirkt, der das von innen kennt.
Auch ungezielt geworfene Steine treffen - dann musst Du damit leben, dass etwas zurückgeflogen kommt und dass auch das nicht angenehm für Dich ist.
Du weißt ganz genau, dass Du keine Ahnung hast, wovon Du da redest, weil Du da auf Erzählungen Dritter zurückgreifst, die es selbst nur aus Erzählungen kennen oder vielleicht Pech mit ihren Einheiten hatten. Dummes Zeug, aus egal welcher Ecke, egal gegen wen es sich richtet, bleibt dummes Zeug. Du kannst Deine Meinung haben. Aber steht nun mal auf einer Ebene mit Chemtrails, Umvolkung, Erbsünde und dergleichen 🤷‍♂️
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Phönix75
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Re: Wehrdienst

Beitrag von Phönix75 »

Immersion hat geschrieben: Montag 9. März 2026, 18:44
Uwi1976 hat geschrieben: Montag 9. März 2026, 18:19 Du kannst gerne anderer Meinung sein, aber ich lasse mich nicht von Dir beleidigen!
Wie Du es auffasst, ist Deine Sache. Dir muss aber auch klar sein, wie das, was Du geschrieben hast, auf jemanden wirkt, der das von innen kennt.
Auch ungezielt geworfene Steine treffen - dann musst Du damit leben, dass etwas zurückgeflogen kommt und dass auch das nicht angenehm für Dich ist.
Du weißt ganz genau, dass Du keine Ahnung hast, wovon Du da redest, weil Du da auf Erzählungen Dritter zurückgreifst, die es selbst nur aus Erzählungen kennen oder vielleicht Pech mit ihren Einheiten hatten. Dummes Zeug, aus egal welcher Ecke, egal gegen wen es sich richtet, bleibt dummes Zeug. Du kannst Deine Meinung haben. Aber steht nun mal auf einer Ebene mit Chemtrails, Umvolkung, Erbsünde und dergleichen 🤷‍♂️
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Ich bin ähnlicher Meinung, wie @Uwi1976 .

Die persönliche Einstellung zu Bund, Armee, Krieg und dergleichen ist rein subjektiv und die ist in großen Teilen meiner ähnlich. Ich habe nie verstanden, warum man sich in Dreck und Schlamm werfen muss und sich von Vorgesetzten Befehle erteilen lässt, Krieg spielt und schlußendlich sich in irgendwelchen Bundeswehrskandalen wiederfindet. Und davon gab es wohl mehr als genug.
Sowas mit Chemtrails, Umvolkung etc. gleich zusetzen ist irgendwie paradox. Gibt es doch von den Herren mit diesen Ansichten genug in der Bundeswehr selbst. Nein. Nicht vom hören-sagen, sondern von einem Freund der es selbst erlebt hat.
Ist aber toll, dass du damit prahlst, Kameraden zu kennen, die in sinnlosen Kriegen und Kampfhandlungen verwickelt waren und ihre Traumata davon getragen haben. Wundert mich umso mehr, dass du dann noch mit so einer Meinung aufwartest. Da bleibe ich besser pazifistisch. Was haben Mali, Afghanistan, Kosovo und die vielen anderen Einsätze denn gebracht, außer dass viele Soldaten kaputt sind? Nichts, außer psychisch kranke Menschen und enorme Kosten, die dem Steuerzahler auferlegt wurden.
Nichts ist so, wie es scheint.